Montag, 2. August 2021

Von ...siel zu ...siel

29.07.2021 Dornumersiel

Das Wetter ist durchwachsen - Sonnenschein und Regen wechselt sich fast stündlich ab. Was bleibt ist der Wind, der heftig bläst. 

Wir wagen es trotzdem, eine kleine Tour mit dem Radl zu machen. Allerdings kommen wir nicht weit: uns weht es beihnahe um. Immerhin finden wir einen Supermarkt, in dem wir ein paar Kleinigkeiten einkaufen, u.a. auch süße Stückchen für einen gemütlichen Kaffee in Wombl.

Danach machen einen Spaziergang zum Strand, setzen uns auf eine Bank und sehen dem auflaufenden Wasser zu. 




Solange wir da bleiben, wo Wiese ist, ist alles gut. Dahin zu spazieren, wo viel Sand ist, der in dicken Wolken aufgewirbelt wird, erweist sich als eher dumme Idee. In nullkommanix knirscht der Sand zwischen unseren Zähnen und die Augen tränen.

Also machen wir uns wieder auf den Rückweg - Zeit, was zum essen zu machen. Es gibt Pellkartoffeln mit Matjes und scharfen Scampis.


Der Wind pfeift weiterhin so stark, dass heute die Antenne drin bleibt. Kein Problem, wir sind mit Büchern gut eingedeckt. Das Geräusch der Regentropfen auf dem Womodach schläfert uns ein.

30.07.2021 Dornumersiel - Dornum - Dornumersiel

Mein Leben mit meinem Altargeschenk füllt inzwischen eine ganze Enzyklopädie. Hier ein weiteres Kapitel, der gleichzeitig einen Protipp enthält:

Wenn Liebling nach dem Frühstück die Nägel schneiden will, empfiehlt es sich, den Tisch vorher abzuräumen. Und zwar komplett. Auch den Kaffee, den man eigentlich noch in Ruhe trinken wollte. Es gibt Kaffeespezialitäten, die nur suboptimal sind... #örks

Der Wind hat nachgelassen, die Sonne scheint vom Himmel, das ideale Wetter für eine Radtour. Wir wollen uns den historischen Ortskern von Dornum ansehen.

Ein Fahrradweg neben einem Kanal führt uns dahin. Die ganze Zeit sehe ich Liebling im Rückspiegel. Einmal nur kurz nicht rein geschaut, schon ist er verschwunden. Erst warte ich auf ihn, dann mache ich mir Sorgen, wo er bleibt. Also radel ich zurück und sehe ihn iwann, wie er das Gebüsch am Wegesrand durchsucht. Und dann plötzlich freudestrahlend wieder daraus auftaucht: "Gefunden!"

"???"

"Ich hatte vorher was zwischen meinen Zähnen, also wollte ich die sauber machen, dabei ist mir die Prothese weg geflutscht. Aber jetzt habe ich sie ja wieder!"

"🙈🙊🤦‍♀️🤷‍♀️"

Mit Zähnen, gesäubert mit Mineralwasser, erreichen wir Dornum. Das Wasserschloss Norderburg, erbaut im 14. Jahrhundert, ist heute eine Realschule.








Weiter führt uns der Weg durch den Kurpark,





der uns zur Kirche mit dazugehörigem Friedhof führt. Die Kirche ist leider geschlossen, auf dem Friedhof begeistert uns eine über 200 Jahre alte, ausladende Buche. Uralte, verwitterte Grabsteine und Kreuze stehen hier.






Auch an einer Windmühle kommen wir vorbei.



Nach ausgiebigem Bummel radeln wir langsam wieder zurück, immer noch froh, dass die Zähne in Liebling geblieben sind. Im Hafen von Dornumersiel gönnen wir uns ein leckeres, verspätetes Mittagessen.




Das Essen macht Liebling zum Zauberer: er kann machen, dass die Luft riecht und die Augen tränen. Plötzlich gibt sogar unser Gaswarner Alarm. Tja... das sind Geschichten, die das Leben schreibt.

31.07.2021 Dornumersiel

Liebling geht es nicht so gut, er hat wieder größte Probleme mit seinem Kreuz. Da es eh den ganzen Tag immer wieder regnet, bleibt er liegen - meist im Stufenbett. Mehr als ihn einzureiben oder ihm ein Wärmepflaster zu kleben, kann ich nicht tun. Die Ruhe tut ihm auf jeden Fall gut.

Dann habe ich wenigstens Zeit, ihn kulinarisch zu verwöhnen. Es gibt ein typisch pfälzisches Essen: Dampfnudeln mit Kartoffelsuppe und Apfelmus. #mjammm





Nach dem Essen reibe ich Liebling nochmals ein. Um meine schmoddrige Hand abzuwischen, bitte ich ihn um ein Feuchttuch. Das er mir bereitwillig bringt. 🙈


01.08.2021, Dornumersiel

Das Wetter ist wieder sonnig, auch Liebling vermeldet leichte Besserung. Wir lassen es weiterhin ruhig angehen und verbringen den Tag weitgehend gemütlich sitzend vor dem Womo.

Heute gibt es nur schnelle Küche: einen scharfen Melonen-Avocado-Salat mit Schinken und eine Pizza aus dem Ofen.



02.08.2021, Dornumersiel - Neuharlingersiel - Carolinensiel

Weiter gehts zum nächsten Siel.

Geplant war Neuharlingersiel, aber mal ehrlich: 26€ für nen Stellplatz? V+E, Strom und Toi noch extra? (Gut, die beiden letzteren brauchen wir jetzt nicht, aber trotzdem...). Zum parken?!! Ham die noch alle Latten am Zaun? Und voll war das Ding trotzdem? Ich bin ja immer gerne bereit, Geld für Leistung zu bezahlen, aber da hat der Spaß für mich echt ein Loch. Da bekomme ich ja ein Schleudertrauma vom Kopfschütteln...

Also fahren wir weiter nach Carolinensiel-Harlesiel am Hafen. Hier ist es schöner und kostet gerade mal die Hälfte.




Wir inspizieren die Gegend, spazieren zum Strand und essen ein leckeres Matjesbrötchen aus der Hand.



Wir setzen uns vor Wombl, schauen der aufkommenden Flut zu und beobachten die ablegende Fähre nach Wangeroog, während Liebling die Pizza von gestern kalt verspeist.




Wasser kommt


Wasser ist da



Mittwoch, 28. Juli 2021

Nordsee. Uuuuurlaub!!!!

 24.07.2021, Emden

Den Vorabend haben wir noch mit einem kleinen Verdauungsspaziergang ausklingen lassen, um dann müde und glücklich ins Bett zu fallen.



Morgens mache ich die Augen auf und werde mit diesem Ausblick belohnt 💓


Da schmeckt das Frühstück noch besser! 

Während ich anschließend meinen hausfraulichen Pflichten nachkomme, lädt mein Altargeschenk die Fahrräder aus. Damit machen wir uns auf in die Altstadt von Emden.

Wuselig ist es. Und voll. Abstand? Was ist das? Masken sieht man noch in den Geschäften, selbst die meisten Bedienungen laufen mit Nasenpimmel rum. Man darf zumindest skeptisch sein...



In einem der unzähligen Straßenrestaurants nehmen wir auch Platz. Liebling bestellt sich einen Kaffee, ich habe einen unbändigen Jeeper nach einem Aperol Spritz. Den Letzten habe ich vor über einem Jahr mit lieben Freunden auf unserem Balkon getrunken und mit dem davor sehe ich mich immer noch auf unserer Kreuzfahrt auf dem Balkon sitzen. #hachz #scheewars


Zum Aperol bestellen wir uns eine Bruschetta. Und fragen, nachdem um uns herum fleißig Essen bei Leuten, die nach uns gekommen sind, serviert wird, nochmals nach. Nein, wurde nicht vergessen, kommt gleich! Ahhhh ja...

Endlich kommt das Bestellte. Und die Aussage: Ach, habe das Besteck vergessen, kommt gleich. Misstrauisch, wie wir inzwischen sind, nehmen wir Tempos als Servietten und essen aus der Hand. Und was soll ich sagen: natürlich sehen wir kein Besteck mehr. 😕Aber die Bruschetta war wenigstens lecker.



Wir bummeln in den Hafen, wo es nicht ganz so voll ist.



Diese unschuldig aussehenden Figuren spucken übrigens, wenn man vor ihnen stehen bleibt 😁









Dahinten ist der offizielle Stellplatz zu sehen: voll und kuschlig. Und wieder sind wir froh über unser autarkes Wombl, dass wir kein Sanitätsgebäude und keinen Stecker brauchen.

In einer der unzähligen Buden holen wir uns ein Fischbrötchen und beobachten während des Verzehrs das Treiben im Hafen und erwehren uns gegen die frechen Möwen.





Zurück auf unserem Platz können wir nur den Kopf über ein neu hinzugekommenes Womo schütteln: da wo normalerweise 2 Dickschiffe hinpassen, stellt sich dieser Egoist mitten rein. Und erklärt einer anderen Besatzung, die ihn bittet, doch etwas vor zu fahren, dass er den Platz ums Womo braucht, um mit seinen Stühlen der Sonne nachgehen zu können. Die Stadt Emden duldet uns Womofahrer hier im Außenhafen unter der Prämisse, dass es autarke Womos sind - VW-Busse ohne Toi werden weg geschickt - und dass kein Campingverhalten an den Tag gelegt wird. Wie soll man zu Tisch, Stühlen, Grill und Markise sonst sagen? Genau so wird es wohl immer mehr Verbotsschilder geben...


25.07.2021, Emden - Emssperrwerk - Ditzum - Emden

In der Nacht hat es geregnet und so ganz sicher sind wir nicht, wie das heutige Wetter werden soll. Dicke schwarze Wolken hängen direkt über uns, ein Stück weiter ist schon wieder blauer Himmel zu sehen. Der Wetterbericht sagt: ab 16Uhr 60%ige Regenwahrscheinlichkeit.

Erst beobachten wir noch, wie 2 Schlepper ein großes Autotransporterschiff an seinen Platz bugsieren. Uns gegenüber liegt ein VW-Werk und hunderte von Autos warten auf ihre Verschiffung.




Dann schwingen wir uns mutig schwingen aufs Rad, wir wollen nach Ditzum, einem kleinen, malerischen Fischerdorf auf der anderen Seite der Ems. Kaum sind wir unterwegs, verschwinden die dunklen Wolken und wir radeln bei Sonnenschein direkt am Wasser entlang.




Wenn ich mich um die Abfahrtszeiten der Fähre zwischen Petkum und Ditzum doch genau so gekümmert hätte, wie um den Weg... So sehen wir gerade noch den weit entfernten Bug des Schiffes, das um 11.30 Uhr weg ist. Dann ist erst mal Mittagspause, die nächste Fähre geht um 13.30 Uhr. Tja, wenn man lesen könnte...

Wir beschließen in Petkum einen Kaffee zu trinken, inzwischen meldet sich ein ganz normales, aber dringendes Bedürfnis. Doch auch Petkum liegt an diesem Sonntagmittag in tiefem Schlaf. Bevor die Augäpfel auf dem letzten Gewinde drehen, geben wir uns auch mit einem Dixiklo an einer Baustelle zufrieden - Desimittel ist immer zur Genüge an Bord.



So. Und nachdem wir noch etwas Zeit haben, radeln wir einfach weiter zum Emssperrwerk. Ein beeindruckendes Bauwerk, das die an der Ems liegenden Ortschaften vor Sturmfluten der Nordsee schützen soll.






Um 13.10 Uhr sind wir zurück an der Anlegestelle und sehen die Fähre gerade einlaufen. Unzählige Fahrradfahrer warten darauf, dass sie mit dürfen. Am Ende stehen alle so eng zwischen den Rädern, dass ein Umfallen praktisch nicht möglich ist. 🙈



Ditzum ist wirklich hübsch! Und voll. Klar, wir haben Sonntag, aber bis sich die Massen der Überfahrt etwas verteilt haben, dauert es. Dann lohnt es sich, aber etwas genauer hinzuschauen.










So langsam beschleicht uns ein Hüngerchen und wir holen uns beim örtlichen Händler Kibbeling und Ofenkartoffel mit Krabben.



Mit der nächsten Fähre gehts zurück, eingedenk des Wetterberichtes, der ab 16 Uhr Regen verheißt. Kaum sind wir in Petkum angekommen, fängt es an zu tröpfeln. Aus einer einzigen schwarzen Wolke, die über uns hängt. Und während unserer Rückfahrt über uns hängen bleibt und ganz schön inkontinent ist. Erst kurz vor unserer Ankunft im Außenhafen ist die Wolke verschwunden und die Sonne brennt wieder vom Himmel.

Wir setzen uns vors Womo, drehen die Markise etwas raus, damit wir auch bei Wasser von oben sitzen bleiben können und beobachten das nächste Schiff das fest macht. Das hat übrigens die ganz Nacht lautstark den Motor laufen - da könnte man bezüglich Umweltschutz auch mal ansetzen.


26.07.2021, Emden - Südbrookmerland "Großes Meer"

Wir verlassen unseren schönen Platz - Wombl braucht mal wieder eine Ver- und Entsorgung.

Gestern hat Liebling eine Broschüre über das "Große Meer" gefunden, da wollen wir hin. Erst wird mal Wombls Bauch komplett leer gemacht und dann wieder mit frischem Wasser befüllt. Der Stellplatz ist so lala, obwohl wir einen Eckplatz erwischt haben. Mein Altargeschenk hat heute eh seinen "Alles ist doof und überhaupt"-Tag, also erkunde ich die Gegend alleine.

Es ist alles recht idyllisch und schön angelegt, aber es ist trotzdem nur ein kleiner See. Wenn man am Bodensee wohnt, ist man in der Beziehung halt verwöhnt.










27.07.2021, Südbrookmerland - Norden-Norddeich - Greetsiel

Wir fahren weiter, das Meer ruft unüberhörbar! Unser Weg führt uns nach Norddeich, weil wir auf die wahnwitzige Idee gekommen sind, wir wollen auf Norderney übersetzen. Eine Passage würden wir sofort bekommen, wichtig wäre aber noch ein Platz auf der Insel. Also telefoniere ich alle 4 vorhandenen Campingplätze ab und bekomme überall die gleiche Aussage: bis Ende August bzw. Mitte September ist alles ausgebucht.

Tja, da müssen wir wohl umdisponieren. Mit leerem Magen geht das aber nicht. Also gönnen wir uns erst mal einen Backfisch bzw. Matjes.




So gesättigt beschließen wir, ein kleines Stück zurück nach Greetsiel zu fahren. Und finden tatsächlich noch einen Platz für Wombl. Schnell geparkt und ab in die zauberhafte Ortschaft mit seinen Zwillingsmühlen und dem Hafen!
















Im Kurpark setzen wir uns mit einem Laufeis in einen Strandkorb und sehen den Kindern beim spielen zu, bevor wir uns wieder ganz gemächlich auf den Rückweg machen.

28.07.2021, Greetsiel - Nessmersiel - Dornumersiel

Etwas unschlüssig starten wir in den Tag. Erst fahren wir einen Freistehplatz an, der aber gar nicht unseren Vorstellungen entspricht. In Nessmersiel überlegen wir uns kurz eine Überfahrt nach Baltrum, erfahren aber innerhalb kürzester Zeit, dass der einzige Campinplatz bis Mitte September ausgebucht ist. Es sind halt noch mehr Leute auf die Idee gekommen, jetzt endlich mal wieder Urlaub zu machen und gerade Camping ist die angesagteste Urlaubsform.

Wir versuchen unser Glück beim "CP am Nordseestrand" in Dornumersiel, wir möchten für das kommende WE versorgt sein. Auch dieser ist - wie soll es anders sein - ausgebucht, aber wir bekommen noch einen der wenigen Plätze auf dem Reisemobilhafen. Natürlich in erster Reihe, Glückskinder wie wir sind. Eine Stunde später ist auch dieser voll belegt.

Wir bummeln über den Platz und kaufen im Campingkiosk etwas Kuchen. Jetzt also erst mal Kaffee mit Aussicht, später ist ein Strandspaziergang geplant.