Freitag, 1. Juli 2022

Doppelt genäht ist nicht immer besser!

 26.06.2022, Neu Ulm

Die Nacht ist etwas besser und Liebling hat gut geschlafen. Das Wetter ist schön, so nehmen wir unser Spätstück draußen ein.


Der Tag verläuft ruhig, außer für eine kurze Spaziergangrunde halten wir uns im Schatten unter der Markise auf. Der Platz ist rappelvoll, auch auf dem daneben liegenden Ausweichplatz ist jede Ecke belegt, teils auch von Autos so zugestellt, dass bei manchen Womos gerade noch so die Aufbautür aufgeht. 

Ich denke an die Zeit vor 25 Jahren zurück, als wir mit campen angefangen haben: wir waren Exoten, wurden teils mitleidig belächelt, weil wir uns "nur" einen Campingurlaub leisten konnten, unter uns Gleichgesinnten herrschte aber Rücksichtnahme und Zusammenhalt. Die Stimmung hat sich gewaltig verändert, Rücksichtslosigkeit und Egoismus sind statt dessen eingezogen. 

Beispiele? 

Die Parzellen sind recht groß, die Begrenzung ist ein kleiner Holzzaun, der ganz hinten plaziert ist. Manche fahren vorwärts, manche rückwärts in die Parzelle. Und wenn sich zwei Womos mit den Aufbautüren gegenüber stehen, ist logischerweise in der Mitte viel mehr Platz. Da gibt es tatsächlich Besatzungen, die sich dazwischen und direkt vor die Begrenzung stellen. Und werden dann noch frech, wenn man sie auffordert, wieder weg zu fahren.

Anderes Beispiel: neben uns fährt eine Womobesatzung zum essen, lässt die Kabeltrommel und ein großes Schild mit "Belegt" in der Mitte des Platzes zurück. Ein paar Wohnmobile fahren daran vorbei, dann kommt einer, räumt die Sachen auf die Seite und stellt sich dahin. 

Gerne wären wir heute schwimmen gegangen, nachdem aber die Gegend und die umliegenden Wiesen komplett zugeparkt sind, können wir uns vorstellen, wie es im Bad aussieht und verzichten dankend.

Mittags gibt es Kaffee und Kuchen


Abends mache ich uns eine Entenbrust mit Teriyaki-Nudeln und karamellisierter Birne.



Das Wetter ist schön, die Voraussage gut, also lassen wir die Markise draußen - wie so Anfänger. Deshalb stehen wir nachts um 3 Uhr draußen und kurbeln selbige ein, als plötzlich Sturm und Regen aufkommt.

27.06.2022, Neu-Ulm - Ulm - Neu-Ulm

Liebling ist  nervös und hat entsprechend schlecht geschlafen.

Um uns etwas abzulenken, gehen wir heute schwimmen und haben das Bad fast für uns.


Um 14 Uhr haben wir Testtermin, kurz nach 15 Uhr fahren wir dann los zur Klinik.

Dort gibt es einen kleinen Weiher vor dem Haupteingang. Eine Entenfamilie mit 7 Jungen tummeln sich da, die auch quer über den Parkplatz marschieren und in Pfützen schwimmen.




Auf Station angekommen, ist natürlich noch kein Bett frei. Dann bekommt Liebling noch den blöden Spruch gedrückt, dass er Glück hat, wenn er eins bekommt, da nicht reserviert, sondern sofort für Notfälle frei gegeben wird. Ich habe Puls bis zum Anschlag: er SOLL um 16 Uhr da sein, also GIBT es auch ein Bett für ihn, ansonsten ist er ganz schnell ein Notfall. Sofort rudert der Pfleger zurück und führt Liebling in sein Zimmer.

Ich verabschiede mich von meinem Altargeschenk mit allen guten Wünschen und fahre zurück zu Wombl.

28.06.2022, Neu-Ulm - Ulm Neu-Ulm

Morgens um 6.30 Uhr schreibe ich mich noch mit Liebling, als ich mich um kurz vor 7 nochmals melde, bekomme ich keine Antwort mehr, also wurde er abgeholt. Ich zünde eine Kerze an und bin in Gedanken bei ihm.

Um 12 Uhr rufe ich auf Station an und erfahre: OP ist beendet, er ist im Aufwachraum (hört ihr den Stein vom Herzen plumpsen?) und er ist wach. Ich kann um 15.30 Uhr da sein, bis dahin ist er auf Station zurück.

Pünktlich laufe ich ein, komme in sein Zimmer... kein Bett da. Ich gehe ans Stationszimmer, dort werde ich gefragt, mit wem ich denn geredet hätte, solche Auskünfte können gar nicht gegeben werden, da sie sowas gar nicht erfahren würden. Auf meine jetzt doch genervte Rückfrage, wer denn bei ihnen alles ans Telefon geht, ruft sie im Aufwachraum an und teilt mir mit: Liebling sei gerade vom OP zurück, wäre wach und es würde ihm gut gehen. Wtf!!! Ich möchte eine Erklärung, bekomme aber nur zu hören: da gab es bestimmt nen Notfall und er musste warten. Mit vibrierenden Nerven setze ich mich erstmal in die Caféteria. 2 Stunden später bin ich zurück auf Station: Liebling ist immer noch nicht da! Lakonisch wird mir erklärt, dass es noch lange gehen kann, ich soll zurück fahren und um 19 Uhr anrufen, dann wissen sie mehr.

Aufgewühlt und bedröppelt fahre ich zurück. Als ich um 7 das Telefon in die Hand nehme, um anzurufen, kommt eine Nachricht vom Altargeschenk: "Ich bin auf Station!" Sofort rufe ich an und erfahre Schlimmes: er wurde heute Vormittag operiert, er war um 12 Uhr im Aufwachraum, als er plötzlich starke Schmerzen bekommt und in Minutenschnelle jedes Gefühl unterhalb des Bauchnabels verliert. Er weiß nur noch, dass er sofort wieder eine Maske aufs Gesicht gedrückt bekommt und erst wieder um 16 Uhr wach wird. Er hatte eine massive Nachblutung, die die Nerven abgedrückt hat und sofort reoperiert werden musste. Heiliger, einfach kann wirklich jeder!

29.06.2022, Neu-Ulm - Ulm - Neu-Ulm

Liebling hatte ne schlechte Nacht, inzwischen fühlt er sich etwas besser und kann sogar schon zur Toilette aufstehen.

Mittags mache ich erst einen ausgedehnten Spaziergang an der Donau entlang, bevor ich die Straßenbahn entere und in die Uniklinik fahre.






Ich bin froh, dass ich mein Altargeschenk doch einigermaßen munter antreffe.


Nach einem langen Besuch fahre ich erleichtert zu Wombl zurück.

30.06.2022, Neu-Ulm - Ulm - Neu-Ulm

Habe tatsächlich mal wieder gut geschlafen, kümmere mich morgens um Wombl und fahre mittags wieder zu Liebling. Wir gehen sogar in die Caféteria. Er kann noch nicht so gut sitzen, gehen, stehen und liegen geht einigermaßen schmerzfrei. Wenn alles so bleibt, wird er am Sonntag entlassen.

Da es unglaublich schwül ist, gehe ich nach meiner Rückkehr erst mal schwimmen. So leer das Bad am Montag war, so voll ist es heute. Im Sprudel- und Strömungsbecken sogar unmöglich! Überall wird gesprungen, Wasserschlachten veranstaltet, Ball gespielt, man wird angetaucht oder angestoßen.




Ich versuche es im Schwimmerbecken: hier ist es schön. Das Wasser ist kühler und man kann ungestört schwimmen.


In der Nacht geht ein heftiges Gewitter mit Starkregen und Hagel runter, Wombl und ich haben es jedoch unbeschadet überstanden.