Dienstag, 10. März 2026

Frühling im Süden! 28.02. - 06.03.2026, Tage 43 - 49

28.02.2026, Tag 43, Isla Plana - Puerto Mazarron - Isla Plana

Ich wache plötzlich auf, es ist noch dunkel und ich schaue auf die Uhr - es ist gerade 5 Uhr - und bin sofort 2 Jahre zurück versetzt:

"Es ist der 28.02.2024, mein 70. Geburtstag und unser 30. Hochzeitstag.

Liebling ist zu diesem Zeitpunkt schon über 2 Wochen im Krankenhaus, die geplante OP liegt 14 Tage zurück. Vor 5 Tagen hatte er eine Not-Op wegen eines akuten Darmverschlusses und die auch nur, weil ich die Station beinahe zur Achterbahn umgebaut habe, bis klar war, dass es sich nicht um eine Verstopfung, sondern um einen Platzbauch handelt - seither liegt er auf der ITS.

Um 5 Uhr morgens klingelt mich das Telefon aus einem unruhigen Schlaf: er muss notfallmässig nochmals in den OP, es sieht nicht gut aus.

Ich hatte noch niemals so eine Angst, sitze den ganzen Tag vor dem Telefon, wimmle alle Glückwunschanrufe schnell ab - ich warte auf den erlösenden Anruf aus dem KH, der erst am Spätnachmittag kommt. Ich darf Liebling auch nur aufgrund meiner Hartnäckigkeit und meines Berufes noch besuchen. Ausgestanden ist es noch lange nicht, der Bauch muss noch zwei weitere Male aufgemacht werden, bis er außer Lebensgefahr ist.
Dass mir zum damaligen Zeitpunkt nix unwichtiger war, als eine Feier, dürfte klar sein."

Umso mehr bin ich froh und dankbar, dass wir es heute tun können, dass es uns vergönnt ist, weiterhin unsere Reisen gemeinsam unternehmen zu können.

Und deshalb: auf das Leben, auf die Gesundheit, auf die Liebe! 💞😍🙏

Das feiern wir gleich mal bei einem schönen Frühstück.



Zur Feier des Tages gehen wir in Puerto Mazarron essen.









Soo schade, dass der Rücken nicht auch Bauch sein kann. Würde gerne noch dies und das probieren, habe jedoch Angst, wenn ich mich bücke, dass mir alles aus dem Gesicht fällt.

Den Abend lassen wir mit Kaffee, Muffins und einem Glas Sekt ausklingen - froh und dankbar darüber, dass wir diesen Tag heute feiern dürfen. 😍




01.03.2026, Tag 44, Isla Plana

Die Sonne versteckt sich heute meist, es bleibt auch kühl.

Der Tag plätschert faul vor sich hin: lesen, stricken, schlafen, TV schauen, noch nicht mal zum schwimmen können wir uns aufraffen.

Da trifft es sich gut, dass heute Rumfort-Tag ist: aus den Kartoffeln wird eine Kartoffelsuppe, das restliche Sauerkraut findet Verwendung bei Schupfnudeln: schmeckt alles lecker und macht nicht viel Arbeit. Espresso, Keks und Schoggi dazu - fertig.





Der Vollmond lugt hell durchs Dachfenster herein.



02.03.2026, Tag 45, Isla Plana

Wir wissen, dass sich der Mondwechsel wieder mit Wind bemerkbar macht, der ab Nachmittag kräftig pusten soll.

Dem Wind ist es egal, wie die Vorhersage aussieht: er weckt uns schon am frühen Morgen. Dazu bringt er reichlich Wolken mit, die den ganzen Tag nicht verschwinden.

Wir gehen lange schwimmen, dann schön heiß duschen.

Mein Geburtstagsgeschenk - ein Klappküchenschrank von meinem Vater ist angekommen, mit dem wir unsre Außenküche aufpimpen.



Und gleich einweihen: es gibt Artischocken mit Dip, danach Spaghetti carbonara, als Nachtisch ein Eis.







Bappsatt.

03.03.2026, Tag 46, Isla Plana

Die ganze Nacht pfeift der Wind und schüttelt Wombl durch.

Als Liebling morgens nach draußen geht, trifft ihn fast der Schlag: sein fein säuberlich geputztes Womo ist über und über mit Saharastaub bedeckt. Schon vor dem Frühstück fängt er an, zumindest mal die Fenster zu säubern. Den ganzen Tag ist er damit beschäftigt, die Spuren zu beseitigen und Wombl liebevoll zu polieren. Noch nicht mal mein Hinweis, dass er hier Sisyphusarbeit leistet, weil es morgen früh wieder so aussieht, hält ihn davon ab.



Während er sich ums Äußere kümmert, kümmere ich mich ums Innenleben: Betten abziehen, waschen, wieder beziehen, abstauben, saugen, wischen: ich hab wenigstens die Gewissheit, dass ich morgen früh keinen Saharastaub im Bett hab.
Vor 8 Jahren haben wir in Polen ein Ehepaar kennen gelernt, mit denen die Verbindung nie abgerissen ist. Schon letztes Jahr haben sie uns hier besucht, jetzt sind sie wieder angekommen, stehen hinter uns und wollen ne Zeitlang hier bleiben.


Zum Essen mache ich uns heute Carbonara-Muffins (Rumfort), anschließend Kratzede (schwäbische Kaiserschmarren) mit Pfirsichkompott.




Und während ich das hier schreibe, ist hörbar, dass der Wind die nächste Fuhre Sand herkarrt.

04.03.2026, Tag 47, Isla Plana

22 Monate ist unser kleiner Mupf heute schon - unser kleiner Herzensbrecher! Er bezaubert mich jeden Tag aufs Neue, auch dann, wenn bei der täglichen Videotelefonie als erstes und fast ausschließlich das Wort "Opa" fällt.

Ich stricke mal zur Abwechslung für mich und bin echt gespannt, ob die beiden Knäuel Wolle dieselbe Charge und den identischen Farbverlauf haben - auf der Banderole steht jedenfalls nix.



Draußen pfeift und rüttelt und wackelt und schüttelt es - ich kann gar nicht sagen, wie mir dieser Wind auf den Zeiger geht! Hoffentlich stimmt die Voraussage und er schläft heute Nacht ein.


Heute gibt es gegrillte Koteletts auf Rahmgemüsestock, danach rote Grütze mit Beeren.





Der Mond bescheint Wombls Hinterteil.


05.03.2026, Tag 48, Isla Plana

Ich wache auf am Morgen und höre... nichts! Kein Pfeifen, kein Heulen, kein Gerüttel am Vorzelt oder Wombl, kein Ächzen in dem Bäumen: der Wind hat sich in der Nacht schlafen gelegt - grad schee ischs!

Es geht allerdings nicht lange, bis sich ein anderes Geräusch einstellt, das wir schon länger nicht mehr gehört haben: Tropfen auf dem Womodach. Das hören wir dafür den ganzen Tag, mal mehr, mal weniger. ☔️🌧

Es sind heute schon unglaubliche 6 Wochen, dass wir hier unsre Zelte aufgeschlagen, bzw. Wombl aufgebockt haben. Im Vergleich zum letzten Jahr ist dieses Jahr das Wetter aber erheblich schlechter, im letzten Jahr saßen wir hier auf einer Insel der Glückseligkeit: während zum Teil nur 50 km von hier die Welt unterging, ganze Campingplätze weggeschwemmt wurden oder Wohnmobile umfielen, war bei uns höchstens mal ein laues Lüftchen zu spüren oder es hat mal ne Nacht durch geregnet. Dieses Jahr bekommen wir da schon mehr zu spüren.


Was tut man, wenn man immer nur kurz nach draußen kann? Richtig: kochen und backen!
So sind mal wieder Seelen fällig, die es später als heiße Seelen gibt.




Zuvor gibt es einen Nudel-Gemüse-Eintopf aus den Resten von gestern: nix vrkomma lossa!


06.03.2026, Tag 49, Isla Plana

Die Nacht mit Dauerregen haben wir nun auch überstanden, morgens traut sich schon ganz vorsichtig die Sonne raus. Es ist noch kühl, so findet das Frühstück drinnen statt.


Vor 2 Tagen habe ich Großputz in Wombl gemacht, heute sind schon wieder schippenweise Krümel auf dem Boden. Wo kommt der ganze Dreck nur her? Und während ich mich dran mache, die ganzen Ecken sauber zu fegen und zu wischen, höre ich ein verdächtiges Geräusch. Und richtig: Liebling hat schon wieder das Dach geentert! Es könnte ja sein, dass der Regen nicht den ganzen Saharastaub beseitigt hat. Ob der im Leben nochmal vernünftig wird?





Man kann wieder in der Sonne sitzen und lange im warmen Wasser planschen. Später müssen wir auch dringend zum Einkaufen - nach Tagen des Sturms und Regens herrscht im Kühlschrank gähnende Leere.

So wird heute auch nicht groß gekocht: es gibt nur Schinken und Salami mit frischem, noch warmem Baguette, danach ein paar saftige Orangen.