Donnerstag, 11. November 2010

11.11.

Mein Großer hat heute Namenstag. Und ich habe keine Traute, bei ihm anzurufen und ihm zu gratulieren. Immer noch die gleiche, blöde, alte Situation...

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Mit knapp 2 Jahren hat Murkel seinen ersten Martinsumzug mitgemacht, damals noch vorwiegend auf den Schultern seines Papas oder Opas. Seither war es fester Bestandteil, dass wir ihn auf seinen Umzügen begleitet haben. In seiner Schule gibt es das nicht, also war der im vergangenen Jahr der letzte Umzug für ihn.

Auch dass sie dieses Jahr keine Laterne gebastelt haben, hat er schon bitterlich beklagt. Als Ersatz will er das nächste Mal, wenn er bei uns ist, eine Nachtwanderung mit Opa veranstalten - ich hoffe nur, dass die zwei dann nicht singen. Bei Lieblings schiefen Tönen könnte das ungeahnte Folgen haben... *g*

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Dass heute auch die fünfte Jahreszeit wieder beginnt, lässt mich aber eher kalt. Hier macht sich das zunehmende Alter dann doch bemerkbar...

Mittwoch, 10. November 2010

Vermischtes

- Mal wieder ein neues Blogkleid gebastelt. Gefällt's?

- Wombl und Roller mussten zum TÜV. Kann mir aber mal einer erklären, warum die Gebühren für den kleinen Roller bei 59.90€ und für das riesige Womo bei 50.50€ liegen???! Der Rollermechaniker hat dann noch 21.05€ für "kl. Durchsicht für HU" genommen ??? Dafür, dass der TÜV Mensch vorbei kommt und die HU macht? In der Autowerkstatt war dieser Service Dienst am Kunden... Bin leicht geladen...

- Muss den Gürtel enger schnallen. Buchstäblich. Und neue Löcher reinbohren. 3 Kilo trennen mich noch von meinem Wunschgewicht!

- Murkel hat seinen Wunschzettel fertig... hoff ich zumindest... Ich könnte schon die Wände damit tapezieren. "Oma, und wenn du das alles vergisst: Im FErnsehen kommt immer, was ich mir alles wünsche. Bloß nicht das für die Mädchen..." Ich würde hier gerne ne Demenz nehmen...

- meine Sockenschublade füllt sich. Das richtige Sockenstrickwetter. Auch Liebling wollte jetzt welche - obwohl er noch nie Wollsocken angezogen hat. Und Murkel hat meine Wollschublade aufgemacht, zwei Knäuel herausgezogen und mir genau erklärt, wie er das Muster und die Farben haben möchte.

- Mein Chef will neue Vorlagen haben. Wie sie aussehen sollen, weiß er genau. Und ich bin sogar zu Hause am basteln, um das umzusetzen. Ich bin auf einem guten Weg.

- Mein Rücken zickt in den letzten Wochen. Gestern konnte ich kaum gerade gehen, geschweige denn richtig sitzen. Na, Hexe eben. Ich sag aber keinem, wo ich meinen Besen geparkt habe.

Einen schönen Abend!

Montag, 8. November 2010

So etwa...

Wir wollen uns mal wieder ein richtig schönes Wellness-Wochenende gönnen - nur Liebling und ich. Thermalbad, Sauna, Essen gehen und verwöhnen lassen. Der ideale Ort dafür ist immer Bad Dürrheim.

Das Problem: wenn Murkel das spitz kriegt, will er mit.

Also müssen wir ihm seinen Wunsch, dass er am WE bei uns schlafen will, abschlagen - wir sind nicht da.

"Wo seid ihr denn?"

Liebling überlegt: "Wir sind eingeladen bei Leuten, die du nicht kennst."

"Wie heißen die?"

"Ähm. Die heißen Sigi und…" Liebling kommt ins Stottern.

Murkel baut sich vor ihm auf: "Heißt der eine Sigi und der andere etwa "und"???!"
 

Sonntag, 7. November 2010

Zirkus Mergelino

Mein Zwerg ist ein Schulkind! Ich fasse es nicht, wie schnell er groß geworden ist. Wo ist nur die Zeit geblieben?

Er geht mit seinem Groß-Cousin in eine Klasse - dem Enkel von Schwesterlein.

Nun hatten sie die erste Schulaufführung. Murkel erzählte im Vorfeld: "Wir sind alle Geparden, nur Noel ist ein Löwe. Warum weiß ich aber auch nicht." Nun, sie waren alle Tiger und hatten im "Zirkus Mergelino" ihren großen Auftritt. Gefährlich, wie sie fauchten und mit den Tatzen fuchtelten, während sie durch Reifen springen und Männchen machen mussten.
 
*seufz* Schön war's! Wieso werden sie nur soooo schnell groß?
 

Samstag, 6. November 2010

Kleiner Einstein

Wir gehen mit Murkel auf die Bank. Es ist Weltspartag und sein Schweinchen muss mal wieder geleert werden. Viel wichtiger aber ist natürlich der Beutel, den er anschließend von der freundlichen Beraterin geschenkt bekommt. Auf dem Tresen sitzend, fängt er sofort an mit auspacken.

"Oh, Luftballons! Und Gummibärchen! Und eine neue Mütze. Das Regencape brauch ich noch nicht - meine Mama fährt mich doch immer in die Schule, da wird ich nicht nass. Und was ist das? Ach so, das macht die Oma auch immer - das ist Sudoku!" Die Beraterin macht ein überraschtes Gesicht: "Da kann ich dir nicht helfen. Ich hab das noch nie gemacht und weiß nicht, wie das funktioniert." "Schau, das ist ganz einfach: In die Reihe darf keine neun, keine eins, keine zwei, keine fünf, keine sechs und keine acht mehr rein!"

Verblüfft schaut sie zu mir. Ich kann Murkels Ausführungen nur bestätigen. Schon lange schaut er mir beim Sudoku lösen zu und will immer wissen, welche Zahlen wo rein kommen und warum. Oft trägt er ein und ich darf ihm nur sagen, was und wohin.

Kaum Zuhause setzt er sich sofort an den Küchentisch und fängt an mit ausfüllen. Und obwohl sie in der Schule mit den Zahlen erst bei 5 sind und er die anderen nur abmalen kann (kennen tut er sie natürlich), füllt er die erste Seite fehlerlos aus. Ich weiß nicht, wer hier stolzer ist: Murkel oder ich.
 

Freitag, 5. November 2010

Dicker Hals!!!

So langsam bekomm ich das Kotzen!


Der Terror lauert überall und die Einschläge werden dichter - es dauert nicht mehr lange, bis auch Deutschland Ziel eines Anschlages wird.

Da steht der höchste Mann des Staates hin und erzählt: "Der Islam gehört zu Deutschland!" Es wird von Integration geredet und von Zuwanderung. So eine Sche**e!!! Sarrazin und Seehofer werden verteufelt, weil sie es wagen, der Wahrheit eine Namen zu geben.

Der Islam ist radikal, menschenverachtend und monopolistisch. Andere Glaubensformen werden dort nicht nur nicht toleriert, sondern aufs übelste unterdrückt und verfolgt. Mag ja sein, dass nicht jeder Moslem ein Terrorist ist. Fakt ist aber: jeder Terrorist ist ein Moslem. Und ich bin langsam auf der Schiene, dass ich diesen Generalverdacht auch laut äußere. Ich habe Angst und eine Mordswut im Bauch.

Wegen mir kann man sämtliche islamistischen Länder überdachen, eine Mauer herum ziehen und die Türen zu schließen. Sollen sie sich doch selber die Köpfe einschlagen und sich in die Luft sprengen. Die Welt wäre nicht ärmer ohne sie!

So! Leider ist mein Kropf immer noch nicht leer…
 

Donnerstag, 4. November 2010

Murkels Urlaub

Murkel fordert lautstark sein Recht auf Wombl-Urlaub ein. Die Fahrt zur Hochzeit hat er schon sehr beleidigt aufgenommen: "Ich find das total unfair: erst seid ihr so lange ohne mich weg gewesen und jetzt fahrt ihr schon wieder alleine!" Wir hätten ihn ja gerne mitgenommen, da der Zwerg aber seit Sommer in die Schule geht, sind solche spontanen Urlaube leider nicht mehr drin.

Doch dieses Mal hat er Recht und wir lassen uns zu einem Besuch im "Conny-Land" überreden - einen Wunsch, den er seit seinem ersten Besuch vor zwei Jahren seither gebetsmühlenartig vorbringt.

Wir fahren am Spätnachmittag los und verbringen die Nacht auf dem Parkplatz des Parkes. In der Nacht regnet es ein wenig und auch am anderen Morgen ist es noch sehr bewölkt, doch wir haben unglaubliches Glück mit dem Wetter - kaum haben wir den Park betreten, reißen die Wolken auf und die Sonne kommt heraus. Und so bleibt es das ganze Wochenende.

Sofort rutscht Murkel in den Streichelzoo - der einzigste Ein- und Ausgang des Geheges, eine tolle Einrichtung, wie ich finde. Kaum ist er wieder da, kommt plötzlich ein Trainer mit einer Seelöwendame im Gefolge des Weges. Da Murkel keine Berührungsängste hat, hängt er dem Tier sofort am Hals. Er darf sogar ein paar Fische füttern - da der Park noch recht leer ist, hat er dieses Erlebnis sogar exklusiv. Dann muss der Opa mit ihm aber sofort Hände waschen gehen: "Die Fische stinken ja wie Sau!"
Wir fahren mit dem Zug und dem Karussell, erleben eine virtuelle Raumfahrt, lassen uns in der Seilbahn den Wind um die Nase wehen und werden im Piratenfloß pitschnass. Die neugebaute Achterbahn nehme ich allerdings alleine in Angriff: gleich ein paar mal, mal ganz vorne, mal ganz hinten sitzend. Der freie Fall zu Beginn aus 80 Meter Höhe ist das ultimative Gefühl!

Wir erfreuen uns an der Seelöwen-Show, lachen bei den frechen Papageien, staunen bei den Zauberern und den Artisten - den Höhepunkt aber bildet die Delphin-Show. Murkel darf nämlich als eines von 3 Kindern in den Innenbereich und einen Delphin streicheln und auf den Kopf küssen. Selten hab ich ein so begeistertes Kind gesehen! 
Müde und erschöpft treten wir am Abend die Weiterfahrt an, die uns nach Stein am Rhein führt, wo wir auf dem schönen Stellplatz am Rheinufer übernachten. Ein schönes Städtchen, auch wenn wir schon öfter hier waren. 
Murkel hat für heute nur einen Wunsch: er will am Rheinufer grillen. Da das Wetter so schön ist, steht dem nichts im Wege. Wir essen auch draußen und bedanken uns für jedes "Guten Appetit", das wir von den Spaziergängern zu hören bekommen. 
Und weil die Sonne so schön scheint, wage ich nach dem Essen sogar ein Bad im Rhein. Er ist mit 15°C nicht wirklich warm, aber unglaublich erfrischend! 
Murkels Fazit nach unserer Heimkehr: "Nächstes Mal fahren wir in Urlaub zum Schwimmen. Aber nicht so wie du, sondern mit einem Dach drüber und ganz warm. Und mit vielen Rutschen!"
 

Sonntag, 31. Oktober 2010

Urlaub Kroatien 2010


Ach ja, im Urlaub waren wir ja auch noch.

Geplant war ein Aufenthalt in Vrsar auf dem Campingplatz. Leider waren sämtliche Plätze am Wasser belegt, also entschlossen wir uns kurzfristig, auf die Insel Rab weiterzufahren. Eine gute Entscheidung! Auch wenn wir feststellen mussten, dass Kroatien zwischenzeitlich alles andere alles günstig ist. Schon für die Überfahrt mit der Fähre waren hin und zurück 65€ fällig - für gerade mal 20 Minuten.
Zwischenübernachtung in Senj
Auch der Platz in Lopar würde regulär über 30€/Tag kosten, wenn wir nicht die ACSI Karte gehabt hätten. So war gerade mal die Hälfte fällig. Mehr würde ich für so einen Platz auch nicht bezahlen. Er hat zwar einen wunderbaren Sandstrand in einer schönen Bucht, eine tolle Aussicht und klasse Plätze direkt vorne am Wasser (Bretter nicht vergessen, sonst versinkt das Womo beim rein fahren bis zur Achse im Sand…). 
Unser Stellplatz am Wasser

Leider führt ein öffentlicher Weg durch den Platz und der Strand ist auch für alle zugänglich. Zumindest in der ersten Woche laufen Scharen von Leuten beinahe über unseren Vorzeltteppich - ein Verlassen der Parzelle ist nur mit Verriegelung aller Türen möglich. Auch wirkt der Platz recht heruntergekommen und die Sanitärgebäude sind teilweise eine echte Zumutung. Eines ist recht neu und ok, war aber von unserem Standort zu weit weg. Das Schlimmste war aber, dass ich nie eine Putze gesehen habe - in den letzten 10 Tagen wurde weder der Sand herausgespült noch einmal ein Mülleimer geleert. Beschwerden darüber wurden aber recht gelassen notiert - und vergessen…

Auch in den Supermärkten haben sie zwischenzeitlich Preise wie in einer Apotheke - eine Flasche Mineralwasser 1€!!! Die umliegenden Restaurants verlangen Fantasiepreise, nur direkt in Rab in der Altstadt konnte man wirklich gut und preiswert essen. Ansonsten kann ich nur empfehlen: Kühl- und Gefrierschrank vollpacken und selber kochen.

Rab auf Rab
Ansonsten entschädigt uns das traumhafte Meer, der schöne Strand und die entspannte Atmosphäre für vieles. Meist haben wir schönes Wetter und sind dann oft mit dem Schlauchboot unterwegs. Wir schnorcheln viel und erkunden die umliegenden Inseln. Auch Radtouren und lange Spaziergängen unternehmen wir, die manchmal von einem Feigenbaum zum anderen führen. Mmmmh, die sind vielleicht lecker! Und zuckersüß!
Früher eine Gefängnisinsel: Goli Otok
Liebling macht es sich gemütlich
Haustier
Wir erleben aber auch Sturm, Platzregen und natürlich die Bora. Überhaupt war dieser Sommer insgesamt viel kühler, nasser und unbeständiger als im letzten Jahr. Das fiel besonders auf unseren Reisen auf: Tunesien, Frankreich/Spanien, Übersommerungsplatz und nun Kroatien. Ich hunger jetzt schon wieder nach Wärme und Sonne.
Sauber machen und einpacken ist ätzend...
Nichtsdestotrotz wollen wir nächstes Jahr Pfingsten mit Murkel wieder auf den Platz fahren - für Kinder ist es hier das Paradies mit dem flachen Wasser und dem Sandstrand! Auch ein kleiner Vergnügungspark liegt direkt daneben, auch wenn für die Kosten dafür ein extra Posten in der Urlaubskasse bereitgestellt werden muss. Hüpfburg -> 3 Minuten 10 Kuna (ca. 1,40€). Karussell -> 2 Runden 15 Kuna usw. Die spinnen, die Kroaten!

Auf dem Heimweg schauen wir uns noch Triest an und erleben in Como ein Grand-Prix Rennen der Schnellboote.
Triest
Großer Preis von Italien in Rennbooten in Como
  
Dom in Como
Wenn dann zuhause ein Kind wartet, das strahlend: "Oooooma, Ooooopa, ich hab euch sooooo vermisst!!!" ruft, dann kommt man auch wieder gerne heim!
 

Freitag, 29. Oktober 2010

Ausnahmezustand

Stöhnen dringt durch die Stille. Fiebrige, entzündete Augen blicken aus einem schmerzverzerrtem Gesicht. Eine zittrige Stimme bittet um Erlösung. Ein Körper liegt matt und erschöpft unter dick aufgetürmten Kissen. Der Geruch nach Eukalyptus und Kampfer überlagert den von Desinfektionsmittel. Tablettenpackungen türmen sich auf dem Tisch. Eine volle Teekanne steht neben dem Bett, während die andere eben wieder frisch gefüllt wird. In der Waschmaschine dreht Bettwäsche - davor wartet schon die nächste auf die gleiche Behandlung.

Alltag im Krankenhaus? Mitnichten! Liebling liegt in den letzten Zügen hat eine schwere Grippe hat eine leichte Erkältung…
 

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Abgeschlossen!!!

Himmel, hab ich mir Gedanken gemacht über diese Hochzeit und die ganzen Umstände, die sie mit sich bringt! Nächtelang hab ich mich im Traum mit meinem Ex gefetzt und gestritten, überall Angriffe und Bedrohungen gesehen. Plötzlich kam alles wieder hoch, was jahrelang vergraben war: auch nach 22 Jahren ist das beherrschende Gefühl immer noch Groll und Wut, Vorwürfe stehen im Raum und Selbstbeschimpfungen darüber, so viele Jahre verschwendet zu haben, gehören ebenso dazu.

Ich weiß, dass ich zu der Hochzeit von meinem Sohn will, dass ich dabei aber mal wieder meinem Ex gegenüber treten muss, stört mich doch gewaltig.

Und dann ist es soweit: Liebling und ich sitzen schon in der Kirche, als die Tür aufgeht. Ich drehe mich um und flüstere dann: "Mein Ex kommt." Langsam kommt er mit seiner Partnerin den Gang vor gegangen. Kompakt ist er geworden und alt - aber das Gleiche gilt natürlich auch für mich. Immerhin haben wir uns mehr als 12 Jahre gar nicht gesehen und da auch nur für ein paar Minuten. Als ich ihn von hinten betrachte, denke ich noch, dass er seinem Vater immer ähnlicher wird. Dann höre ich ihn mit den Eltern der Braut reden - das ist eine fremde Stimme, ein fremder Slang. Ich flüstere Liebling zu: "Ich glaub, das ist er doch nicht. Er sieht so anders aus und außerdem hat er eine ganz andere Stimme."

Seine Partnerin schaut sich um, wo denn noch Platz frei wäre und deutet auf unsere Bank. Der fremde Mann nickt. Erst läuft sie an uns vorbei, dann kommt er. Unsicher hebe ich die Hand, um ihn zu begrüßen, da schaut er mich an - und wieder weg. Man kennt den Blick, ob jemand einen nicht kennen will oder wirklich nicht erkennt. Und dieser Mann kennt mich wirklich nicht, also lasse ich meine Hand wieder sinken. Er setzt sich neben Liebling und ich schaue immer wieder verstohlen zu ihm hin. Die Augenfarbe stimmt, auch wenn sie etwas mehr hinter den dickeren Wangen verschwinden und früher keine Brille gebraucht haben, die Haarfarbe passt auch, wenn sie auch etwas schütter geworden sind. Ansonsten ist mir dieser Mann fremd und er wäre mir, würde ich ihm heute auf der Straße begegnen, keinen zweiten Blick wert. Die Situation ist so skurril, dass ich einen Lachkrampf bekomme. Liebling be"pssst" mich die ganze Zeit und versucht mich zu beruhigen, doch mir laufen die Tränen herunter und ich bekomm fast keine Luft mehr: Da war man 17 Jahre miteinander verheiratet und nun kennt man sich nicht mehr! Ich fall vor unterdrücktem Lachen beinahe aus der Bank!

Nach der Trauung – ich habe gerade das Brautpaar beglückwünscht – stupst mir jemand auf die Schultern. Mein Ex steht vor mir und meint: „Ich glaube, wir können uns auch gegenseitig zu unserem Sohn gratulieren.“ Ich muss ihm Recht geben und begrüße ihn, während ich mir ein Grinsen nicht verkneifen kann.

Beim Sektempfang stellt er uns seine Partnerin vor – eine wirklich nette Frau. Interessant ist, dass wir beide nun bei unserem Typ gelandet sind: Dunkle Haare und dunkle Augen - wir entsprachen beide gegenseitig nie dem, was unser Traumtyp ist. Ein richtig nettes Gespräch entspannt sich, das sogar über Small-talk hinausgeht. Dabei erfahre ich auch, dass er mich wirklich nicht erkannt hat und erst als er an mir vorbei war – wie in einem schlechten Slapstickfilm – registriert hat, wen er da vor sich hat. Seiner Partnerin hat er dann zugeflüstert: „Weiß du eigentlich, neben wem wir sitzen? Ich glaube, das ist meine Exfrau.“ Auch das mit der Stimme wurde aufgeklärt: Anscheinend mussten ihm vor ein paar Jahren die Stimmbänder abgehobelt werden, was seine Stimmlage total verändert und viel zerstört hat.

Im Laufe des Abends entdecke ich bei dem mir inzwischen so fremden Mann Gesten, Bewegungen, Ausdrücke und Verhaltensweisen, die mir unglaublich vertraut sind. Und plötzlich löst sich alles auf, die Geschichte wird rund und ich kann sie einfach davon rollen lassen: aller Groll verschwindet und die (Selbst-)Vorwürfe lösen sich in Luft auf. Ich habe nie vergessen, warum ich mich getrennt habe, plötzlich weiß ich aber auch wieder, warum ich mich damals in diesen Mann verliebt habe und mit ihm zusammen war. Es hat nicht funktioniert, aber es waren keine verlorenen oder überflüssigen Jahre. Ich kann mir plötzlich selber vergeben. Und außerdem: zumindest 3 Dinge haben wir wunderbar zusammen hin gebracht – unsere Kinder!

Und so wird aus einer Art Lord Voldemort, dessen Name nicht genannt werden darf, plötzlich einfach ein alter Bekannter. Es wird in Zukunft so sein, dass man sich freut, wenn man sich sieht. Man vermisst aber auch nichts, wenn dem nicht so ist…

btw: habe ich eigentlich schon gesagt, dass ich froh bin, dass ich Liebling habe???!