Ein echter Schei*tag...
Mittwoch Abend fängt ein Zahn unten rechts an zu puckern. Zwei Stunden lang. Dann ist es wieder vorbei.
Donnerstag habe ich ganz fürchterliche Kopfschmerzen, die sich auch mit reichlich Paracetamol bzw. Ibu nicht in den Griff bekommen lassen. Abends fange ich an zu frieren und zu schütteln, das Thermometer klettert auf fast 39°C. Alles klar, hier ist eine Erkältung im Anzug.
Denke ich.
Ich schlucke eine weitere Droge und lege mich ins Bett, schlafe erstaunlicherweise auch sofort ein. Zwei Stunden später wache ich auf, weil es an meinem rechten Unterkiefer spannt. Und immer mehr spannt, je weiter die Nacht vergeht.
Freitag morgens sehe ich aus, als ob mir ein weiterer Kopf gewachsen ist - direkt aus meinem rechten Unterkiefer raus. Die Unterlippe reicht fast bis zur Nase und das Reden/Artikulieren fällt mir schwer. Immerhin ein positiver Aspekt, den Liebling gleich ausmacht.
Kaum dass der Zahnarzt aufmacht, sitze ich auch schon in der Praxis. Der schüttelt allerdings nur bedenklich den Kopf, drückt mir auf die Wange und den Unterkiefer (in mir machen sich Mordgelüste breit) und ruft gleich beim Kiefer/Gesichtschirurgen an. "Soll sofort kommen!"
Ich wünsch mir eine Burka, denn so fangen alle Kinder an zu schreien und verstecken sich hinter Mami - wäre Halloween, bräuchte ich keine Verkleidung...
Was macht der Chirurg als erstes? Genau, er drückt mir auf meinen Beulen herum! Mir hat man mal beigebracht: Man schaut mit den Augen und nicht mit den Fingern! Könnt ihr euch vorstellen, wie schei*e weh das tut???!!! Ich kann nur noch zischend ein- und ausatmen.
Da ich die Angewohnheit habe, auf die Betäubungsspritze zu kollabieren, wird mit weiteren Drogen erstmal mein Kreislauf gepuscht. Dann kommt der Doc mit diesem spitzen Folterinstrument. Ich werde wieder wach, als er mir aufmunternd die Wange tätschelt - zum Glück (seinem Glück!!!) die gesunde.
Jetzt greift er nach dem Skalpell und trennt mir die Wange vom Gesicht ab setzt einen kleinen Schnitt. Als er versucht, den neu gewachsenen Kopf durch den Schnitt zu drücken, beschließe ich, das zweite Mal an diesem Tag, das nicht mit klarem Bewusstsein zu erleben.
Mit hoch dosierter Antibiotikumtamponade im Mund, einem Rezept für ebensolches und mit einem Termin für heute morgen in der Hand, verlasse ich wankend die Praxis.
Der Rest vom Tag und die Nacht zieht sich wie Kaugummi - ich ernähre mich von Ibu's und Codein, gekrönt mit einem Nachtischantibiotikum. Trotzdem fiebere und schüttel ich weiter.
Heute morgen hat sich der Zusatzkopf etwas verschoben - dem Gesetz der Schwerkraft folgend hat sich das meiste auf die rechte Halsseite verschoben und drückt auf Luft- und Speiseröhre. Die Lippe hat nur noch Minischlauchbootform und in der Wange hat sich die Schwellung von der Größe einer Melone auf immerhin Kohlrabigröße verringert. Dass ich den Hals nicht mehr drehen kann - nun ja, ein wenig Verlust ist immer...
Beim Kontrolltermin wechselt der Doc die Tamponade, ist aber nicht so richtig zufrieden mit dem Zustand.
"Das war nicht fünf vor zwölf, das war schon zwölf Uhr! Sollte es sich heute verschlechtern oder ich morgen bei der Kontrolle keine signifikante Verbesserung sehen, werde ich Sie stationär aufnehmen. Dann muss in Vollnarkose von außen geöffnet werden!"
Immerhin hätte das den Vorteil, dass ich dabei nicht mehr kollabieren kann...
//*zieht sich die Bettdecke über den Kopf und hofft, dass sie dann niemand entdeckt...












