In der Firma geht es drunter und drüber. Am WE wurde ein neuer Server installiert. Versprochen wurden uns unendliche
Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, dass Schreiben mit der Hand so anstrengend sein kann. Und so sinnlos. Wenn es dann mal wieder läuft, darf ich alles fein säuberlich abtippen. Reine Beschäftigungstherapie also.
Heute Nachmittag haben wir uns mit dem Zwerg einen Thermalbadbesuch in Meersburg gegönnt – meine verkrampften Handmuskeln entspannen. Schön wars!
Im Fernsehen ist gerade ein Elch durchs Dach gekracht – ein sprechender Elch wohlgemerkt – und ich mache mit dem Schleppi auf dem Bauch meine Runde durch Klein-Bloggersdorf.
Und da ich schon gerade hier bin, möchte ich euch etwas erzählen.
„Und? Ist nichts Gescheites dabei?“
Die junge Frau muss schmunzeln ob dieser Frage. Sie weiß, dass ihre Mutter immer sehr direkt ist. Und dass sie sich sorgt um sie. Und ihr wieder einen liebevollen Partner wünscht.
Ein Jahr zuvor hat die junge Frau eine sehr harte und schmutzige Scheidung hinter sich gebracht und ist mit ihren drei kleinen Kindern nun alleine.
Ein Haus wollten sie zusammen bauen, doch als die Bagger anrückten, war der Kerl schon über alle Berge. Also ging die junge Frau von 6 – 14 Uhr arbeiten, um die Familie zu ernähren und anschließend auf die Baustelle, damit eben diese Familie auch ein Dach über dem Kopf bekam.
Keine Fliese an Wand und Boden, die sie nicht in der Hand hatte, keine Tapetenbahn, die sie nicht eingekleistert und verklebt hätte. Viele standen mit Rat und Tat zur Seite, ob Vater, Schwager oder Freunde – alle halfen sie, um aus dem Rohbau ein bewohnbares Heim zu machen. Die Mutter verdiente sich einen Besenorden – so eine saubere Baustelle hat noch nie jemand gesehen!
Einige Monate später und sie hatten es gewuppt – der Einzug konnte stattfinden. Doch mit der nun einkehrenden Ruhe forderte der Körper der jungen Frau seinen Tribut: Ein Bandscheibenvorfall, völlige geistige und körperliche Erschöpfung und gerade mal noch 46 Kilo Körpergewicht sorgten für einen stationären Aufenthalt. Nach 6 Wochen schloss sich dann die Reha an.
Sie hatte kein Interesse an irgendwelchen Kontakten und verbrachte die Abende meist heulend und alleine auf ihrem Zimmer. Die einzigste Abwechslung waren die Besuche ihrer Kinder und Eltern. Bei denen einmal die Mutter dann obige Frage stellte. Und ihr das Versprechen abnahm, auch abends mal auszugehen, getreu dem Motto „Morgens Fango, abends Tango!“
Also nahm sie zwei Tage später die Aufforderung ihrer Tischnachbarn an und ging mit einer ganzen Truppe in ein Tanzlokal. Sie hatten gerade Platz genommen, als eine weitere Gruppe das Lokal betrat. Dazwischen ein dunkelhaariger, junger Mann. Er schaute der jungen Frau in die Augen und – kawummmm! Es blitzte und die Zeit blieb stehen!
Die Zwei hatten fortan nur noch Augen und Zeit füreinander. Als 2 Wochen später die Kur zu Ende ging, fuhr der junge Mann wie selbstverständlich mit der Frau nach Hause. Erst den anstehenden Jahreswechsel verbrachte er in seiner 700 Kilometer entfernten Heimat. Dort regelte er alles und zog Anfang des neuen Jahres mit Sack und Pack bei seiner neuen Liebe ein.
Und dort wohnt er immer noch.
Heute vor 20 Jahren erfuhr ich am eigenen Leib, dass es die Liebe auf den ersten Blick tatsächlich gibt.
Auch wenn auf die damaligen Blitze manchmal gehörige Donner folgten – es hat sich gelohnt! Ich bin glücklich und liebe meinen Liebling. Und würde ihn nie eintauschen!

