Montag, 31. August 2009

So wird aus ängstlicher Politik politische Angst...

„Nur die dümmsten Kälber, wählen ihre Metzger selber...“

Unbehagen bis zu offenem Entsetzen – das sind die Emotionen, die bei mir angesichts der Wahlergebnisse in Thüringen, Sachsen und im Saarland hochkommen.

Jeder 4. – 5. mündige(?) Bundesbürger wünscht sich die „Rote Socken“ Politik zurück. Vorschlag: Schaffung eines 17. Bundeslandes, alle SED-, PDS- und Linkenwähler da rein, Mauer drum – dann schauen wir mal, wie die sich die Köpfe einschlagen in ihrem real existierenden Sozialismus, in dem keiner dem anderen die Butter auf dem Brot gönnt! Männeken Pis aus dem Saarland als Möchtegern-Napoleon kann dann mit seinen einpeitschenden Parolen seine Wähler einschwören und einschläfern – Gehirnwäsche vorprogrammiert...

Die Geschichte hat doch gezeigt, dass der Kommunismus genauso wenig wie der Nationalsozialismus funktioniert – ein Konstrukt auf Papier, das immer ganz schnell von der Wirklichkeit eingeholt wird.

Der Großteil der Bevölkerung hat gelernt, dass das braune Gedankengut gefährlich ist und bekämpft werden muss – warum werden linke Parolen dann höchstens belächelt und oft geduldet?

Mir macht beides Angst, egal ob es aus der rechten oder linken Ecke kommt...

Kommentare:

  1. Letztenendes sind die Linkswähler für mich auch nur der extreme SPD-Flügel. Ich verstehe grundsätzlich von den Inhalten her, warum man die wählt, auch wenn ihnen trotz größerer Bürgernähe die Umsetzungideen fehlen. Aber ich verstehe nicht, warum da bei denen noch Abgeordnete sitzen dürfen, die eine einschlägige Stasivergangenheit haben. Und linke Ministerpräsidenten sind keine Alternative, auch nicht für Thüringen.
    Viel schlimmer finde ich aber, dass es immer noch braunes Gesindel in Landtage schafft! Denn links ist mir da deutlich lieber als rechts und der Sozialismus (nicht Kommunismus) ist nicht die schlechteste Regierungsform gewesen.

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  2. @Schwesterlein, obwohl ich schon immer roter war als du, :-)) muss ich dir hier uneingeschränkt recht geben! Wenn ich die Wahlplakate-(Stammtisch)Parolen-Polemik der Linken am Straßenrand lese, könnte ich kotzen!

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  3. hallo michaela,

    an dieser stelle muss ich mary (teilweise) recht geben. die, die im osten links wählen, tun das zum großteil, weil sie sich mit gemäßigten linken parteien wie der spd nicht mehr identifizieren können. da sollte sich meiner meinung nach erstmal die spd an den kopf greifen, was sie so alles falsch macht. (hatte da heute schon ein längeres gespräch mit meiner mutter und meinem bruder drüber... z.b. fällt uns augenblicklich gerade kein charismatischer spd-politiker ein. armutszeugnis?)
    was allerdings nicht sein darf ist. z.b. die fortsetzung politischer karrieren ehermaliger sed-amtsträger. und sowas gibts leider sogar in unserer stadt. wenn ich allerdings in die spd schaue, so finde ich da auch das eine oder andere gesicht. sogar in der cdu oder fdp findet man die... da fällts eben nur nicht so auf.

    linke ministerpräsidenten sind keine alternative, mit sicherheit nicht. aber ganz ehrlich - wären z.t. spd-ministerpräseidenten irgendwo alternativen? vorsitzende einer partei, die nahezu überall einbußen einfährt, die in thüringen z.b. mit zweifelhaften anti-althaus-bandagen kämpft und sich am ende trotzdem hinstellt und sagt "wir haben die wahl gewonnen", nur wegen 4% stimmenzuwachs? meiner meinung nach gewinnen diejenigen doch die wahl, die meisten stimmen haben. habe ich zumindest mal so gelernt.

    und eine saarland-linke hat meiner meinung nach wegen einer person derartig zugelegt: oskar, der überläufer! ohne ihn wäre dort nie im leben ein so hohes ergebnis rausgekommen. und da kommen die anderen parteien wieder ins spiel, die sich überlegen sollten, wie sie jemanden, der einen bloßen parolenwahlkampf macht, mit fairen argumenten entwaffnen können. so lang sie sich dazu nicht gemeinsam durchringen können, wird es weiterhin so hohe ergebnisse für die linke geben. übrigens: von der saar kam schon mal ein linker, der sich für den aufbau des sozialismus stark machte - so ein schicker mit hornbrille und brüchiger stimme...

    was viel mehr angst machen müsste sind 8 rechte im sächsischen landtag und trotz nichteinzug im thüringer landtag der dortige stimmenzuwachs für die npd! erstaunlicher weise fällt das nähmlich bei all' der diskutiererei über die linkspartei gern mal hinten runter.

    ein argument, dass man auch stärker in den mittelpunkt rücken sollte, ist übrigens auch die wahlbeteiligung: knapp über 50 prozent ist kaum eine zahl, bei der man noch von repräsentativer volksmeinung sprechen kann...! was läuft da falsch?

    nicht, dass ich falsch verstanden werde: für mich ist eine linkspartei, gerade in ihrem momentanen zustand und mit ihren aktuellen vertretern keine alternative. pauschalisierungen helfen allerdings niemandem weiter. und etwas ist mir doch sehr unangenehm aufgestoßen in deinem beitrag: diese mauer-sache. das kann keiner wollen, und schon gar nicht öffentlich.
    dann auf der einen seite von stammtischpolemik der linkspartei zu sprechen, auf der anderen seite allerdings ebensolche stammtischparolen (linke rein in ein bundesland und eine mauer drum...) ist nicht wirklich besser.

    ich möchte mit meinem kommentar keinen unfrieden schaffen, also bitte nicht falsch auffassen - ich möchte nur meine sicht der dinge schildern! :-)

    viele grüße aus dem wahl-sachsen ;-)

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  4. @mary Ich denke, wenn der Sozialismus als Regierungsform funktioniert hätte, wäre er nicht überall im Osten zusammen gebrochen. Auf Papier hört es sich wunderbar an, nur lässt er sich in der Realtät nirgends umsetzen.

    Und ja, schlimm, aber nicht schlimmer, finde ich den neuerlichen Einzug der Braunen. Wie schon gesagt: ob rechte oder linke Ecke ist für mich nur die Wahl zwischen Pest und Cholera!

    @Schätzle ;) wir verstehen uns!

    @thg ich nehm dir deine Meinung nicht übel - das ist das Schöne an Demokratie und Meinungsfreiheit! Und genau dies sehe ich bedroht! Da seh ich auch keinen Unterschied, ob wir von rechts oder links mit Parolen zugeschüttet und gegängelt werden. Ob Nationalsozialismus oder Sozialismus - beide Diktaturen nehmen nur sich selbst und ihre Agitatoren wichtig, der einzelne und das Volk haben keinen Stellenwert mehr.

    Mir macht beides unsagbare Angst!

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  5. Wer die Linke als SED-"Wir wollen den Sozialismus"-Partei sieht, der hat offensichtlich keine Minute auf das Parteiprogramm verwendet.
    Außerdem wird hier eine Wahl nicht ausreichend analysiert. Es geht ja nicht nur darum die "Linken" zu wählen, sondern die inzwischen geschmacklichgleichartigen SPD und CDU nicht zu wählen. Und bevor die Stimmen dann nach rechtsaußen oder an die Grünen gehen, die den von Arbeitslosigkeit gebeutelten betroffenen Bundesländern, mit ihrer Politik jetzt nicht unbedingt Aufschwung bieten können, ist die "Linke" eine gescheite Alternative.

    Außerdem kann es keine Schande sein die Partei des Mannes zu wählen, der vor Vier (!!!) Jahren in einem Buch die Wirtschaftskrise ganz genau so wie sie jetzt eingetreten ist vorhergesagt hat. Und egal wie unsympathisch er sein mag (denn das ist Herr L.), kann man sich vor der Tatsache, dass er sich auskennt nicht leugnen. Es ist nämlich nicht zum ersten mal so, dass er solche Entwicklungen vorhersagt.

    Aber lieber dumm und stumpf Gleichartigkeit wählen, nur weil man bisher mit den Ausläufern der Krise nicht betroffen ist.

    Und an Mary:
    Die Linke ist eher als die echte linke SPD zu begreifen, denn diese hat sich selbst ganz weit rechts überhohlt in den letzten Jahren.

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  6. Nachtrag:
    Das der Sozialismus im Osten nicht funktioniert hat, könnte natürlich auch einfach daran liegen, dass es da gar keinen Real-Sozialismus gab, sondern eine Räte-Diktatur also known as Kommunismus. Und von eine Räte Diktatur sind wir heut zu Tage in der guten alten Republik auch gar nicht so weit weg.

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  7. Hallo Michaela,

    man kann Vergangenes nicht so über einen Kamm scheren wie du das hier tust. Du spricht von einem Sozialismus in dem man sich die Köpfe einschlägt und keiner dem anderen die Butter auf dem Brot gönnt! Tut mir echt leid Dich zu desillusionieren, aber ich bin im Sozialismus aufgewachsen und da war der Neid nicht größer, als er heute in unserer so genannten Demokratie ist. Ehrlich gesagt ist es heute durch die zunehmende Verarmung eher schlimmer als früher.
    Sicher, die Umsetzung war letztendlich miserabel aber die Idee hinter dem Sozialismus ist nicht die Schlechteste. Denk mal darüber nach. Die Demokratie (den Kapitalismus) in der wir heute Leben, hat auch ihre Schattenseiten und das sind nicht wenige.

    Über die Wahlmethoden der Parteien schweige ich mal aus. Was da abgelaufen ist und abläuft, ist unterste Schublade und ein Armutszeugnis für unsere Politiker

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  8. @imperator Das ist doch meine Rede - der Sozialismus ist auf dem Papier sogar eine toller Ansatz. Doch es gibt kein Land, im der er bisher funktioniert hat! Eben weil es in der Gleichheit immer welche gibt, die noch gleicher sind und die Oberen erst mal den Rahm abschöpfen, bevor es beim gemeinen Volk ankommt.

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  9. @jaywind Doch, ich seh die Linken als SED-"Wir wollen den Sozialismus"-Partei - und ich hab mich genug mit allen Parteiprogrammen beschäftigt. Es sind, mit Ausnahme des Saar-Napoleon-Landes, doch auch nur die Neuen Bundesländer, die genau das wählen, was nach 40 Jahren, Gott sei Dank, zum Zusammenbruch kam.

    Dass unsere Volksparteien kein Profil mehr haben, streit ich ja gar nicht ab - trotzdem werde ich meine Stimme bestimmt nicht an die Linken geben (auch nicht an die Grünen, falls dich das beruhigt).

    Deshalb bin ich weder dumm, noch stumpf, sondern habe im Gegenteil einen recht scharfen, realistischen Durch- und Einblick.

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  10. Ein kleiner Einwurf:
    Bis Salvador Allende getötet wurde in einem von den USA eingeleiteten Militärputsch, gab es einen funktionierenden Real-Sozialismus. Zudem ist Venezuela zur Zeit auch sehr nah dran. Aber vielleicht braucht man ja Sonnenschein um Realsozialismus durchführen zu können.

    Ich wollte dich in keinsterweise als dumm und stumpf bezeichnen, sondern lediglich die Tradition des Stammwählens in Frage stellen.

    Nur weil du die Linken als Turbo-Sozialisten siehst, ändert es nichts daran, dass sie im Parteiprogramm andere Ziele definieren.
    Verstaatlichung von Basisindustrien ist auch kein Sozialismus, sondern so genannter Ressourcen-regulierter Kapitalismus. Und von dem wird sich auch die Linke nie trennen wollen, denn sonst haben wir auch ein Chile oder eine DDR, wo von Außen vernichtet wird.

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  11. wäre die Piratenpartei denn eine Alternative? ,-)
    Jack Sparrow for Präsident! *g*

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  12. @jaynight Einen funktionierenden Sozialismus - der, wenn es ihn wirklich gäbe, erstrebenswert wär -war und ist doch nicht von einem einzelnen Mann wie Allende abhängig. Wenn die Regierungform dort geklappt hätte, wär sie nach seinem Tod nicht so schnell zusammen gebrochen.

    Ich hab heute übrigens schon mein Kreuzchen gemacht und meine Umschlag mit einem Gemisch aus Hoffnung und -slosigkeit in die Urne geworfen. Ich hoffe nur, dass die Wahlbeteiligung höher ausfällt als dieses WE - die vielen Nichtwähler, die ausser schimpfen nichts tun, verfälschen eh den repäsentativen Durchschnitt.

    @bluhnah Piratenpartei: nein!
    Jack Sparrow: JA! *jammijammisabber*

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