Donnerstag, 14. Mai 2009

Ein Sack Flöhe

Fußballtraining in der Pampers-Liga. Ca. zwanzig 4 – 6 jährige wuseln über den Platz. Sie spielen mit dem Ball, kämpfen miteinander, schlagen Purzelbäume, sitzen verträumt am Spielfeldrand oder auch mitten auf dem Platz, haben plötzlich furchtbar Durst oder müssen aufs Klo. Der Trainer baut derweil Hütchen fürs Zirkeltraining auf. Hinter ihm werden die ersten gleich wieder weggekickt. Endlich hat er es aber doch geschafft, zwei Reihen der Hütchen hinzustellen.

Er ruft nach den Zwergen. Er muss es höchstens zehnmal wiederholen, bis sie alle dastehen.

„Ihr stellt euch jetzt alle hintereinander auf“. Er versucht eine Reihe zu bilden. „Trainer, ich war vorher aber vor Justin, der hat sich einfach vorgedrängt!“

Gefühlte zwanzig Minuten später stehn die Jungs zumindest in einer Schlangenlinie vor ihm. Ununterbrochen erzählen sie sich die aufregendsten Stories.

„Ich erkläre euch jetzt, was ihr machen müsst, hört genau zu. Ich sage es nur einmal!“

Hm. Meint er jetzt an dieser Stelle, einmal pro Minute oder jedem einzeln?

Bei den ersten paar Jungs klappts dann ganz gut – sie laufen mit dem Ball zwischen den Hütchen Slalom und ziehen anschließend aufs Tor ab. Die anderen werden langsam ungeduldig, schauen in den Himmel, weil da grad der Zeppelin seine Kreise zieht oder fangen an, sich zu balgen.

„Los, die nächsten!“ „Trainer, bei mir zählt das nicht, ich hab das Tor nicht getroffen, ich muss noch mal anfangen!“

Die Wartenden haben jetzt endgültig die Geduld verloren und spielen ihr eigenes Match. Zwischendurch kommen sie wieder zum trinken oder auch zum Schwätzchen halten an den Spielfeldrand.

Irgendwann hat jeder seinen Ball durch den Parcours getrieben und der Trainer teilt jetzt ein zum Spiel.

„Ich will aber mit Marcel zusammenspielen, nicht mit dem blöden Mike!“ „Ich will kein grünes Hemd überziehen, da seh ich so doof aus.“

Das Spiel beginnt. Der Ball ist kaum zu sehen, aber sicher ist: da wo der ganze Pulk rennt, da ist er. Eine ganze Traube bewegt sich über das Spielfeld, als ob sie mit Gummis zusammengebunden wären.

Vor dem hinteren Tor stehen oder sitzen vier Jungs, darunter auch Murkel, und rühren sich nicht. Ich frage meinen Zwerg, warum er nicht mitspielt. Mitleidig schaut er mich an: „Oma, ich bin Abwehr, ich warte bis der Ball kommt!“ Und richtig, als sich der ganze Pulk auf das Tor zubewegt, steht er auf. Der Ball landet im Tor. Egal. Sitzen und warten auf den nächsten Angriff.

Der Trainer wechselt die Positionen. „Siehst du, Oma, jetzt bin ich Spieler!“ Ab sofort ist er in der ganzen Gruppe kaum mehr auszumachen. Er jubelt am lautesten, als seine Mannschaft ein Tor schießt.

Am Ende des Spiels meint der Trainer: „Gut habt ihrs heute gemacht, beide Mannschaften haben gewonnen. Tschüss, bis zum nächsten Mal.“

Auf dem Heimweg erklärt Murkel: „Der Trainer hat sich vertan, wir haben gewonnen! Und habt ihr gesehen? Ich hab beinahe ein Tor gesch
ossen!“

Kommentare:

  1. Herzlich gelacht!! Ich kanns mir genau vorstellen!

    Schön, mehr davon! Knutsch

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  2. Wunderprächtig, wirklich ein kleiner Sack Flöhe! Herrlich!

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  3. Herzallerliebst. Wenn es bei uns ein Junge wird, dann können wir uns auf sowas auch schon mal einstellen :-)

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