Donnerstag, 29. Oktober 2009

Der beste Tausch...

Ich liebe meinen Job. Das, was ich tue. Konzepte erstellen. Standards definieren. Daten digitalisieren. Vorlagen basteln. Workshops ausarbeiten.

Aber manchmal fehlt sie mir. Die Arbeit auf der Dialyse. Und die Patienten.

Lange Jahre kommen viele. Die einen nicht transplantabel aus diversen Gründen – Alter, Multimorbidität oder schlichte Ablehnung. Andere warten bis zu 10 Jahren auf ein Organ.

Ich vermisse die Gespräche, die Erzählungen kleiner Begebenheiten aus ihrem Alltag. Der Bezug wird immer persönlicher, der Umgang mit ihnen immer vertrauter.

Mir fehlt das Piepsen der Maschinen. Die Kontrolle der Parameter. Die Wärme, die die blutgefüllten Systeme abgeben. Das gute Gefühl, den Shunt schmerzfrei punktiert zu haben. Und die Dialyse ohne Krämpfe und Blutdruckabfälle für den Betroffenen mit einer exakten Gewichtsabnahme zu beenden.

Mir fehlt die Hektik während eines Notfalls. Und die Bestätigung, wenn wieder alles normal läuft.

Mir fehlt die Anerkennung, eine gute Dialysekraft ausgebildet zu haben.

Allerdings müsste ich mich dann wieder mit unserer, ach so kompetenten, Stationsleitung auseinander setzen. Sämtliche Arbeiten zu delegieren, sich nur noch selber verwalten und als einzigste Beschäftigung ein d.u.* – welch sittlicher Nährwert wird hier eigentlich bezahlt? Die Abnickerei sämtlicher Anordnungen ohne konstruktives Nachfragen? Die gut sitzenden Frisur oder der wiegende Gang? Populistische Aussagen? Opportunistische Lächelorgien?

Alle Sehnsucht würde das nicht aufwiegen. Hier sitz ich in meinem eigenen Büro und bin froh, dass mir keiner dazwischen redet.

Kurze Besuche auf der Station erfreuen mich und die Patienten, die ich noch kenne. Und wenn ich dann von meinen KollegInnen über den neuesten Stationsklatsch aufgeklärt bin, bin ich froh, wenn ich wieder verschwinden kann.

Hab ich schon erwähnt, dass ich meine Arbeit liebe? Seit 2 Jahren. Besonders nach solchen Ausflügen...

*dauernd unterwegs

Kommentare:

  1. Wie würde unser heißgeliebter Dad sagen: "der liebe Gott erhalte dich in diesem Zustand". Ich hoffe, dass du bis der Rente die Freude behälst, genau so, wie ich mir meine auch wieder zurückerobert habe.

    So bist du nah am Geschehen und doch entfernt. Und über die grammatikalischen Stilblüten der allgemeingebildeten Stationsleitung (da gehört doch A***wacheln dazu oder?) können wir ja weiterhin lachen!

    Das wollte ich dir jetzt mal ehrlich sagen... *brüll*

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  2. So gehts, wenn frau beim schnellen Schreiben über die eigenen Finger stolpert!

    ..dass du bis ZUR Rente
    ..wacheln = wackeln

    :-)) weißt Bescheid

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  3. Das kann ich SEHR gut nachvollziehen. Ich habe nach der Elternzeit auch vom patientenahen in den patientenfernen Bereich gewechselt. Manchmal fehlt mir der Kontakt, aber wenn ich dann wieder irgendwelche Aktionen mitkriege oder erzählt bekomme, bin ich wieder "sauglücklich" mit meinem Job ;-)

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  4. @schätzle Nur wenn du mir das "GANZ ääääährrrlich" sagen kannst, glaub ich dir!!!

    //*grinst vor Schadenfreude im Kreis...

    @coco bist du auch Krankenschwester?

    Dialyse war immer mein Lebensinhalt. Nach meinem Arbeitsunfall mit einhergehender Umbesetzung wars die Hölle! Erst hat besagte Madam mir die Stationsleitung abgeschleimt, versucht mich zu attackieren (lief immer ins Leere - Gott sei Dank!) und redet heute nicht mehr mit mir, weil sie wieder neidisch ist.

    Ich suhle mich in Schadenfreude... *g*

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