Mittwoch, 8. Juli 2009

27. und 28. Tag

02.07.09 27. Tag

Wie wenn Jenny es ahnen würde, kommt sie gleich als die Tür aufgeht, angestürzt - bellend, jaulend, hechelnd und winselnd. Vom Bauch kraulen kann sie gar nicht genug bekommen. Ich hasse Verabschiedungen, besonders bei Leuten, die mir wirklich ans Herz gewachsen sind. Aber kurz nach halb elf gibt es keine Ausreden mehr – Jenny kann gar nicht verstehen, dass sie nicht mehr ins Womo darf. Hupend und winkend fahren wir davon.

Unsere Strecke führt uns bis Aigues mortes auf dem gleichen Weg zurück, wie auf der Herfahrt. In Montpellier erwischt uns ein dicker Regenguss – sogar der Himmel weint, dass wir fahren. In Carnet-Plage erhasche ich einen letzen Blick aufs Meer und damit verschwinden auch die Palmen. Wenigstens die Oleanderbüsche begleiten uns noch eine Zeitlang.
In Comps an der Aude, einem verschlafenen Ort zwischen Nimes und Avignon machen wir Halt für heute. Der Stellplatz liegt direkt am Fluss mit einer Slipanlage, dass man problemlos ins Wasser kommt. Das nutzen wir vor dem Grillen aus – und hinterher gleich noch mal.
In den Bäumen machen die Zikaden einen Mordsspektakel, auf der anderen Flussseite schreien zwei Esel um die Wette, Enten und Frösche quaken – mit diesem Nachtkonzert schlafen wir ein.
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Kritisch beäuge ich Liebling – irgendwas stimmt mit seiner Brille nicht. (Erwähnen muss ich noch, dass Liebling auf dem rechten Auge fast blind ist – nur etwas hell und dunkel kann er unterscheiden. Ein Geburtsfehler.) Ich kann meinen Finger durch die rechte Fassung stecken – er hat sein Glas verloren. „Ich hab mich schon gewundert, dass alles noch viel unschärfer ist als sonst…“

03.07.09 28. Tag

Am anderen Morgen pfeifen die Vögel in diesem Orchester auch noch mit – wenn man so schön geweckt wird, schmeckt das Frühstück doppelt so gut. Bevor die Reise weitergeht, werfen wir uns nochmals in die Fluten.

Liebling dirigiert wieder...
Langsam erklettern wir wieder die Berge. Eine tolle Aussicht bietet sich uns.
Mittags erreichen wir Lyon. Die Parkplatzsuche gestaltet sich mit unserem Dickschiff wie gewöhnlich nicht einfach. Am Bahnhof, wie fast überall, finden wir dann eine Ecke.
In Lyon fließen die Rhône in die Saône zusammen, deshalb gibt es unglaublich viele Brücken in der Stadt. Mit knapp 500 000 Einwohnern ist sie nach Paris und Marseille die drittgrößte Stadt des Landes. Gegründet wurde sie zu Beginn unserer Zeitrechnung von den Römern.
Die Altstadt Lyons wurde 1998 von der
UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Diese hat einen etwas maroden Charme - quirlig und pulsierend, aber ungepflegt. Manche Geschäfte machen den Eindruck, als ob seit 1900 nichts mehr daran geändert wurde. Die Gassen haben alle Kopfsteinpflaster, durch die noch die Abwasserrinne verläuft, von den Häusern bröckelt der Putz – wir kommen uns wirklich vor, als ob wir uns auf einer Zeitreise befinden.

Lyon ist ein Bistum der römisch-katholischen Kirche – Bischofssitz ist die Kathedrale Saint-Jean in der Altstadt. Markanter ist jedoch die Basilika Notre-Dame de Fourviére. 1871 auf der Spitze des gleichnamigen Hügels errichtet, überragt sie die gesamte Stadt.
In dieser Bücherei ist die Zeit stehen geblieben
Die Aufhängung dieser Brücke ist in dem Stein fixiert
Gegen Abend geht´s weiter, da es hier nirgends eine ruhige Ecke zum übernachten gibt. In der Nähe von Priay sur Ain finden wir, nach abenteuerlichen Fahrten über Feld-, Wald- und Wiesenwegen einen schönen Platz direkt am Fluss.

Einen kleinen Spaziergang daran entlang gönnen wir uns noch. So kann man den Abend ausklingen lassen.
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Auf der Karte hab ich die Ain als Nachtlager auserkoren. Als sie das erste Mal auf unserem Navi auftaucht, sieht es aus, als ob es nur ein dünnes Rinnsal wäre. „An diesem Bächlein willst du stehen?“ Mitleidig schaut er mich an. „Sie fließt bald in die Rhône, laut Karte müsste sie viel größer sein.“ „Der Emmerbach (Anmerkung: ein Schlammrinnsal im Münsterland) fließt auf Umwegen auch in die Nordsee, deswegen würd ich da trotzdem nicht stehen!“

Das Navi hat sich übrigens getäuscht, als wir die Ain dann in Natura gesehen haben, war es ein ganz normal großer Fluss…

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